Entsorgung und Wiederverwertung von Dämmstoffen

Was passiert nach der Nutzung mit Dämmstoffplatten, wenn beispielsweise eine Gebäudemodernisierung ansteht? Welche technischen Wege dabei möglich sind, hängt vom verwendeten Material ab. Heutige EPS-Dämmstoffe etwa, besser bekannt als Styropor, sind seit Ende 2014 mit dem unbedenklichen Flammschutzmittel Polymer-FR ausgestattet. Sie lassen sich vielfältig weiter- und wiederverwenden.


Wiederverwertung auf vielen Wegen


Die Wiederverwertung beginnt bereits bei der Herstellung: Produktionsabfälle werden zerkleinert und dem Herstellungsprozess direkt wieder zugeführt. Dasselbe gilt für nicht verschmutzte Baustellenabschnitte. Auch für heutige Dämmplatten, die nach ihrer erwarteten Lebensdauer von mindestens 50 Jahren in Zukunft ausgetauscht werden, gibt es verschiedene Recycling-Möglichkeiten: "Im Bauwesen zum Beispiel kann gebrauchtes EPS gemahlen und als Leichtzuschlag für Mörtel, Beton und Dämmputze eingesetzt werden", erläutert Stefanie Mohmeyer vom Industrieverband Hartschaum (IVH).

Eine andere Möglichkeit ist die Verwertung durch Aufschmelzen: Die so gewonnenen Recycling-Produkte können zur Herstellung von Kunststoff-Spritzgussteilen eingesetzt werden. Falls keine andere Verwertungsmöglichkeit besteht, wird das Dämmmaterial in Müllverbrennungsanlagen (MHKW) rückstandsfrei verbrannt. Im Gegensatz zu vielen anderen Dämmstoffen lässt sich EPS durch die thermische Verwertung zur Energiegewinnung einsetzen - der Verwertungskreislauf schließt sich.


Thermische Nutzung für ältere Dämmplatten


Die thermische Nutzung ist auch für EPS-Abfälle mit dem bis Ende 2014 eingesetzten Flammschutzmittel HBCD ein bewährter und sicherer Entsorgungsweg. Es wird in MHKW, die die üblichen Sicherheits- und Umweltanforderungen einhalten, energetisch verwertet. Anfang Oktober 2016 setzte eine Änderung der Abfall-Verzeichnisordnung diesen Entsorgungsweg kurzzeitig außer Kraft. Ein von Bundeskabinett und Bundesrat beschlossenes einjähriges Moratorium machte am 28. Dezember 2016 diese Änderung temporär rückgängig: Bis Ende 2017 können HBCD-haltige EPS-Dämmstoffe als nicht gefährlicher Abfall in herkömmlichen MHKW entsorgt werden.

Eine Alternative zur thermischen Verwertung in der Zukunft ist das CreaSolv-Verfahren, das stoffliche Recycling von EPS-Dämmstoffen mit HBCD. Ziel dabei ist die Trennung von EPS und HBCD, um den EPS-Ausgangsstoff Polystyrol zu gewinnen und parallel das HBCD in ein unbedenkliches Flammschutzmittel umzuwandeln. Auch EPS-Dämmstoffe mit dem Flammschutzmittel Polymer-FR können mit dem CreaSolv-Verfahren recycelt werden. Der IVH engagiert sich in dem europäischen Projekt zum stofflichen Recycling. Eine Pilotanlage soll 2018 in Betrieb gehen.



Abfallhierarchie - von Deponierung bis Recycling


Wiederverwertung geht vor Deponierung: Auf diesen kurzen Nenner lässt sich die fünfstufige, EU-weit gültige sogenannte Abfallhierarchie bringen. Sie betrifft auch Bauabfälle wie etwa EPS-Dämmstoffplatten. Egal, um welchen Müll es sich handelt, die Endlagerung auf Deponien gilt als die schlechteste Lösung, da in diesem Fall der Abfall lediglich verschoben wird. Ein Recycling hingegen macht wertvolle Ressourcen wieder nutzbar. Und auch die thermische Verwertung etwa in Müllverbrennungsanlagen punktet mit einer guten Bilanz. Dabei wird die Energie, die in den Abfällen enthalten ist, durch Verbrennung freigesetzt und wieder genutzt, um zum Beispiel als Brennstoff Energie zu erzeugen.


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Foto: djd/IVH Industrieverband Hartschaum e.V.