Den Bau oder Kauf einer Immobilie nicht überstürzen

Ob Einfamilienhaus auf der grünen Wiese oder Eigentumswohnung im Stadtzentrum, nach Immobilien besteht in Deutschland derzeit eine sehr hohe Nachfrage. "Bauherren und Kaufinteressenten befinden sich in der aktuellen Marktsituation schnell in der Defensive und haben das Gefühl, dass sie alles akzeptieren müssen, was Bauunternehmen oder Bauträger ihnen vorsetzen", sagt Wendelin Monz, Vertrauensanwalt des Bauherren-Schutzbund e.V. (BSB).


Persönliche Schmerzgrenze festlegen


Monz beschreibt den Fall einer Wohnungsinteressentin, deren Sonderwunsch einer höheren WC-Anbringung aufgrund ihrer Körpergröße von 1,94 Metern vom Bauträger kategorisch abgelehnt wurde. "Letztlich muss jeder selbst bestimmen, wo seine Schmerzgrenze verläuft", erklärt der Vertrauensanwalt. Man sollte sich aber auf jeden Fall vorher über die möglichen Konsequenzen informieren. Dazu gehöre ein genauer Blick in die Bau- und Leistungsbeschreibung sowie in die juristischen Klauseln des Vertrags. "Eine Grenze muss immer da verlaufen, wo wirtschaftliche Interessen des Verbrauchers massiv bedroht sind", warnt Wendelin Monz. Als Beispiel nennt er einen Zahlungsplan, bei dem sich der Bauunternehmer bereits nach Abschluss der Dachdeckerarbeiten 50 Prozent des Werklohns zu sichern versuchte. "Da der Bauherr in diesem Fall erheblich in Vorleistung ist, geht er hohe Risiken zum Beispiel für den Fall einer Insolvenz des Unternehmens ein", so Monz. 


Vertragsrisiken vor Unterschrift kennen und abwägen


Man werde Risiken nicht in allen Fällen vermeiden können, man sollte sie aber jedenfalls kennen, so lautet der Ratschlag des Experten. Unbedingt empfehlenswert sei es daher, einen Bau- oder Bauträgervertrag erst prüfen zu lassen, Informationen und Adressen gibt es unter www.bsb-ev.de. Für die juristische Prüfung kann ein Fachanwalt, zum Beispiel ein Vertrauensanwalt des BSB, für die technische Prüfung wiederum ein unabhängiger Sachverständiger hinzugezogen werden.



So werden Immobilieninteressenten unter Druck gesetzt


Der Bauboom setzt immobilieninteressierte Verbraucher unter Druck und verleitet sie unter Umständen zu übereilten Kaufentschlüssen. Typische Tricks der Anbieter finden Sie unter www.superhauspreis.de und www.bluffen.info. 

Die beliebtesten Druckmittel sind diese: 

  • zeitlich begrenzte "Sonderangebote" und Ankündigung von Preiserhöhungen
  • Vertragsklauseln und Zahlungspläne, die Verbraucher benachteiligen
  • Vorverträge, die den Verbraucher unnötig in seiner Entscheidungsfreiheit einschränken

Eine unabhängige Beratung kann helfen, risikobehaftete Entscheidungen zu vermeiden. Lassen Sie sich nicht durch sogenannte Wartelisten oder die Ankündigung demnächst anstehender Preiserhöhungen zu eine vorschnellen Entscheidung drängen!


Foto: djd/Bauherren-Schutzbund