Baumpflege im Frühjahr

Nicht nur im Haus, auch im Garten wird im Frühjahr alles inspiziert, entrümpelt und auf Vordermann gebracht. Der Sonnenschein bringt ans Licht, was in den dunklen Monaten nicht so auffiel. So mancher Holunder scheint um das Doppelte gewachsen zu sein, die Äste des Ahorns beschatten einen Großteil vom Rasen und die Hecke wuchert aufs Grundstück des Nachbarn.


Stummelschnitte sind oft "tödlich" für den Baum


Engagierte Hobbygärtner greifen in solchen Fällen schnell zur Astschere oder gar Motorsäge. Doch während zum Beispiel Strauchgewächse wie der Holunder eine Kürzung gut vertragen, kann ein übermäßiger Rückschnitt bei Bäumen zum Absterben führen. Das starke Einkürzen ohne Rücksicht auf die natürliche Wuchsform wird auch als Kappung bezeichnet. "Viele Gartenbesitzer glauben, dass sie dem Baum damit etwas Gutes tun", sagt Manuel Schuster von der Gütegemeinschaft Baumpflege. Doch das Gegenteil ist meist der Fall. Neben der zweifelhaften Ästhetik zerstört ein solcher Stummelschnitt auch das natürliche Gleichgewicht zwischen Wurzeln und Krone. "Ohne ausreichenden Zugast wird der Rest des Astes oder Stammes nicht mehr genügend mit Nährstoffen versorgt", warnt Schuster. Über die großen Schnittwunden dringen zudem leicht Pilze ein und lassen den Stamm im Innern verfaulen. Dies kann letztlich sogar die Bruch- und Standfestigkeit des Baums gefährden. Grundsätzlich spielt die Einschätzung der Baumgesundheit vor dem Schnitt eine große Rolle. Hier sollte man einen Fachmann zu Rate ziehen. 
Experten raten davon ab, Nadelbäume in Eigenregie zu schneiden, denn sie weisen ein komplett anderes Verzweigungsmuster auf als sonst üblich. Wird bei einer Fichte oder Tanne die Spitze entfernt, richten sich alle oberen Äste auf, um die neue Spitze zu bilden. Es gibt keine eindeutige Führung - und der Baum verliert seine Wuchsform komplett. Dann ist meist eine Fällung die letzte Lösung.
Unter www.ral-baumpflege.de gibt es eine bundesweite Liste mit zertifizierten Betrieben.

Profis entscheiden, welche Schnitte nötig sind


Die Profis entscheiden anhand der Vitalität, welche Schnitte nötig sind. Auch die Baumart spielt eine Rolle. Die Rotbuche beispielsweise wird oft als Hecke gepflanzt, findet aber auch als Großbaum Verwendung. Als Hecke kann man sie jährlich schneiden und das Gehölz dankt es mit gutem Neuaustrieb. Als Baum reagiert die Buche jedoch sensibel. Durch zu starke Einkürzungen können Schäden an der Rinde entstehen, da die Sonne diese regelrecht verbrennt.



Foto: djd/RAL Gütegemeinschaft Baumpflege e.V.