Checkliste: Umrüstung auf ein Blockheizkraftwerk

Schon seit einigen Jahren werden in der Industrie Heizkraftwerke eingesetzt, um große Unternehmensanlagen mit günstigem Strom und Wärmeenergie zu versorgen. So betreibt etwa der Fahrzeughersteller VW zusammen mit der Stadt Hannover ein Gemeinschaftsheizkraftwerk, das sowohl den Strom- und Heizwärmebedarf der dort angesiedelten VW-Nutzfahrzeug-Werke wie auch 50 % des Strombedarfs der Stadt Hannover erzeugen.



Von der effizienten Art und Weise, Strom und Heizwärme mittels eines Blockheizkraftwerkes, kurz BHKW, selbst zu produzieren, wollen ebenso immer mehr private Immobilienbesitzer profitieren. BHKW sind in ihrer Leistung immer auf den jeweiligen Bedarf abgestimmt. Dementsprechend finden sich heute in verschiedene Leistungsklassen eingeteilte BHKW, die dafür geeignet sind, ganze Wohnanlagen oder Wohnsiedlungen mit Strom und Wärme zu versorgen, wie auch kleinere Anlagen für Zwei- und Einfamilienhäuser. In diesen Bereichen wird von Mini-, Mikro- und Nanoanlagen gesprochen, wobei klar sein dürfte, dass Nano-Anlagen auf Einfamilienhäuser mit entsprechend geringem Bedarf ausgelegt sind. 


In der nachfolgenden Checkliste zeigt sich, ob die Umstellung von einer herkömmlichen Heizungsanlage auf ein BHKW lohnenswert ist, welche Voraussetzungen am günstigsten sind, welche Fördermöglichkeiten und welche rechtlichen Rahmenbedingungen bestehen und was bei einer Umrüstung sonst noch zu beachten ist. 


Die Investition in ein BHKW


Die Grundlage für die Umrüstung auf ein BHKW ist der tatsächliche Gesamtenergiebedarf, wobei auch die Zukunft berücksichtigt werden sollte. Um ein BHKW wirtschaftlich zu betreiben, sollte es mindestens zwei Drittel des Jahres in Betrieb sein. Dabei ist der Wärmebedarf in der Ermittlung der wirklich wichtige Punkt. Überschüssiger Strom kann gegen eine Vergütung in das öffentliche Netz eingespeist werden, Wärmeenergie hingegen nicht. Hier lohnt es sich, eine Kostenkalkulation aufzustellen, die sowohl die bisherigen Strom- und Heizungskosten beinhaltet wie auch die Kosten der Umrüstung und der Wartung, der zu erwartende Gewinn aus der Einspeisung ins öffentliche Netz und natürlich die Einsparung bei Strom und Brennstoff. Dazu kommen die Zuschüsse aus Fördermitteln, die wiederum die Anschaffungskosten und damit den Zeitraum der Abschreibung reduzieren. Unter Umständen können BHKW-Betreiber sogar die Energiesteuer auf eingekaufte Brennstoffe zurück erhalten, doch dazu mehr in den Fördermöglichkeiten. Aus diesem Kalkulationsmix lässt sich eine Wirtschaftlichkeitsberechnung erstellen, wobei gerade Besitzer älterer Immobilien das Erneuerbare Energien-Gesetz im Auge behalten sollten, denn darin ist festgeschrieben, dass unter anderem 30 Jahre alte Heizungsanlagen ausgetauscht werden müssen. 


Kann jede Immobilie auf BHKW umgerüstet werden?


Moderne Nano- und Micro-BHKW mit einer Leistung von 1 bis 5 kW für den Betrieb in Ein- und Zweifamilienhäusern benötigen ungefähr so viel Platz wie ein Besenschrank, allerdings ist ein Besenschrank wesentlich leiser. Obwohl die Geräte über schalldämmende Verkleidungen verfügen, sollte schon ein eigener Heizraum vorhanden sein, zumal auch BHKW vom örtlichen Schornsteinfeger abgenommen werden müssen, da Abgase entstehen. Das bedeutet, dass ein bestehender Kamin genutzt werden muss oder ein entsprechender Abzug nachgerüstet wird, so der Experte für Kamine und Heizungsanlagen Kamdi24. In der Regel verfügen die meisten BHKW dieser Leistungsklasse über einen eigenen Warmwasserspeicher mit Bsp. 100 Liter Fassungsvermögen, sodass ein zusätzlicher Behälter in der Regel nicht notwendig ist. 
Eine Problematik kann bei der Umrüstung der bestehende Heizkreis sein, der auf das vorherige Heizsystem abgestimmt ist. Ob die vorhandenen Heizkörper für ein BHKW geeignet sind, sollte von einem Fachmann geprüft werden. 


Fördermittel


Während die KfW die Förderung von BHKW zum 01.04.2016 einstellt, bietet das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) die Förderung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen weiterhin an. Durch das Mini-KWK-Programm des BAFA sollen BHKW gezielt bei einer breiten Bevölkerungsschicht Anwendung finden. Dazu gehören unter anderem der Wegfall der jährlichen Degression und eine Erhöhung der Basisförderung. 
Seit dem 01.01.2015 beträgt die Höhe des einmaligen Zuschusses gestaffelt bei bis zu 1-kW-Anlagen 1900 Euro, aufwärts bis 20 kW 3500 Euro. Dazu kommen Bonusförderungen für besonders effiziente BHKW, die bei der Wärmeeffizienz mit 25 % der Basisförderung zu Buche schlagen können und bei der Stromeffizienz mit 60 %. 
Gefördert werden ausschließlich Anlagen, die einen Gesamtnutzungsgrad von mindestens 85 % besitzen und den EU-KWK-Richtlinien entsprechen. 
Natürlich können Betreiber von BHKW genau wie Solarstromerzeuger die gesetzlich geregelten Einspeisevergütungen für die Einspeisung von Strom in das öffentliche Netz in Anspruch nehmen und, wie bereits erwähnt, eine Rückerstattung der Energiesteuer und der Stromsteuer beantragen, zuständig hierfür ist das jeweilige Hauptzollamt. 


Das rechtliche Rahmenprogramm


Ob nun mit oder ohne Förderung durch das BAFA, das BHKW muss unbedingt beim BAFA angemeldet werden. Je nach elektrischer Leistung bestehen hierzu unterschiedliche Verfahren. Ebenso ist ein BHKW beim örtlichen Stromversorger beziehungsweise Netzbetreiber anzumelden.
Da auch die neueste Technologie im Bereich der BHKW, der Einsatz von Brennstoffzellen, mittels Erdgas als Primärenergie erfolgt, müssen neben den herkömmlichen BHKW auch diese durch den örtlichen Schornsteinfeger abgenommen werden. 


Ein Fazit
Es gibt einiges zu beachten, wenn von einer herkömmlichen Heizungsanlage auf ein Blockheizkraftwerk umgerüstet wird, wobei die Entwicklungen der Gas- und Strompreise wesentliche Faktoren in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit darstellen. 
Im Großen und Ganzen jedoch stellt ein BHKW eine zukunftsträchtige Investition dar, die gerade in Form einer Micro- oder Nano-Anlage zum einen sich relativ schnell amortisiert und zu anderen je nach gewähltem Modell den Betrieb mit weiteren Brennstoffen wie Pflanzenöl, Biogas oder Holz erlaubt, was die Nachhaltigkeit steigert und die Umweltbelastung senkt.