Der Maurer-Roboter – Traum oder Albtraum der Baubranche?


Wer bei dem Namen Hadrian bisher nur an den römischen Kaiser gedacht hat, der in Großbritannien den nach ihm benannten Hadrianswall bauen ließ, sollte diesen Artikel lesen. Der moderne Hadrian könnte die Baubranche revolutionieren.


1.000 Ziegelsteine pro Stunde!


Dagegen kommt auch der versierteste Maurer nicht an: 
Der australische Hersteller Fastbricks Robotics hat in jahrelanger Entwicklungsarbeit 7 Mio. $ investiert, ehe seine Erfindung marktreif war. Dieser völlig neuartige Roboter kann mithilfe von 3D-Bauplänen pro Stunde 1.000 Mauersteine legen. Der Rekord eines menschlichen Maurers liegt derzeit bei „nur“ 743 Steinen pro Stunde. Mit dieser Geschwindigkeit kann der Rohbau eines größeren Einfamilienhauses innerhalb von zwei Tagen erstellt werden.
Hadrian kennt nach einer vorherigen Programmierung die Lage jedes einzelnen Steins. Bei Bedarf kürzt er ihn sogar. Auch seine Genauigkeit lässt keine Wünsche offen: Mit einer Abweichung von maximal 0,5 mm wird jeder Ziegelstein an die richtige Stelle gelegt, nachdem er vorher mit Mörtel bestrichen worden ist. Diese hohe Präzision wird durch Lasermessgeräte an den Ecken der Baustelle und die im Teleskoparm integrierten Stabilisatoren erreicht. Die Handhabung ist trotz dessen Länge von 28 Metern kein Problem.

Der Entwickler Mike Pivac hat nicht vor, menschliche Arbeitskraft von den Baustellen zu verdrängen: 2005 hatte er in Perth, der viertgrößten Stadt Australiens, einen Mangel an Facharbeitern für Baustellen beobachtet. Dieses Problem sieht er auch zukünftig: Seiner Ansicht nach ist der Beruf des Maurers für junge Menschen unattraktiv. Außerdem erleichtere der Roboter Bauarbeitern auf der Baustelle die Arbeit, weil er ihnen schweres Heben abnimmt. Seiner Ansicht nach bietet er darüber hinaus vielen Menschen die Chance, ihre Arbeit in Zukunft interessanter und anspruchsvoller zu gestalten.


Hat Hadrian eine gute Prognose?


Fragt man Börsenexperten, eindeutig ja. Mitte November 2015 begann der Handel mit Fastbricks Robotics-Aktien an der australischen Börse ASX, die Aktien waren deutlich überzeichnet. Das eingesammelte Geld will die Firma für den Bau von 109 Mauer-Robotern verwenden, die dann zum Verkauf angeboten werden sollen.
Dieser gute Börsenstart ist kein Wunder, denn eine fortschreitende Technisierung in der Arbeitswelt liegt im Trend: Die ING-DiBa hat im Mai 2015 die Ergebnisse einer volkswirtschaftlichen Analyse veröffentlicht, wonach in Deutschland im Laufe der nächsten zehn bis 20 Jahre 18,3 Millionen Arbeitsplätze durch die „Robotisierung“ wegfallen. Die Baubranche wird dort zwar nicht unter den „Top 5“ aufgeführt, die Analyse ist allerdings entstanden, bevor Fastbricks Robotics den innovativen Roboter vorgestellt hatte.