Renovierung von Parkett und Dielen

Wer einen Parkettboden hat, beschäftigt sich spätestens nach 20 Jahren das erste Mal mit dem Abschleifen seines guten Stückes. Was in den 70er und 80er Jahren noch selbstverständlich war, ist heute oft nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll. Wann das Parkett abschleifen noch Sinn macht und wann nicht, beschreibt dieser kurze Artikel.


Ist die Renovierung von Massivparkett sinnvoll?


Massivparkettböden unterliegen, wie so vieles in Deutschland, einer Norm. Diese Norm regelte auch bereits in den Hochzeiten des Massivparketts sowohl die Dicke als auch die Breiten der Parkettstäbe/Dielen etc. 
So weist ein „echtes Massivparkett“ in 22mm Ausführung meist noch Nutzschichten von bis zu 12mm auf. Auch der kleine Bruder des berühmten Stabparketts, das sog. „Mosaikparkett“ ist mit 8mm Nutzschicht noch als äußerst robust und langlebig zu bezeichnen.
Da bei jeder Parkettsanierung ca. 1,5 mm der Nutzschicht verloren gehen, kann ein gutes Massivparkett ca. 5-8 Mal renoviert, bzw. abgeschliffen werden. Da die Renovierungskosten meist ca. ¼ bis 1/3 des Neubeschaffungswertes ausmachen, lohnt sich das Parkett abschleifen allein finanziell betrachtet bereits. 


Ist die Renovierung von Fertigparkett sinnvoll?


Mit dem technologischen Fortschritt der Parkettproduktion gewannen Fertigparkettböden enorm an Marktanteilen. Zu Beginn waren diese zwar aus mehreren Schichten gefertigt, jedoch meist beständig aus Eichenholz produziert. 
Um Kosten zu sparen, wurden für den Schichtaufbau nach und nach mehr Weichhölzer (v.a. Fichte) verwendet. Die Nutzschicht, welche zu Beginn noch bis zu 6mm betrug, wurde ebenfalls immer weiter reduziert.

Der durchschnittliche Fertigparkettboden weist heute nur noch eine Nutzschicht von ca. 3mm auf. 
Wenn man nun die oben genannten 1,5 mm pro Parkettrenovierung abzieht, ist bereits nach dem ersten Abschleifen das Ende der Fahnenstange erreicht. Wenn der Parkettboden weniger als 3mm Nutzschicht aufweist, lehnen die meisten Fachunternehmen eine Renovierung bereits ab. Zu hoch ist das damit verbundene Haftungsrisiko, z.B. im Falle einer Deckschichtablösung oder wenn die Nutzschicht durchschliffen wäre.

Ein Sonderfall: die Renovierung von Fertigparkett mit HDF-Trägern
Einige wenige Parketthersteller verwenden anstatt der günstigen Fichteträgerelemente die noch günstigeren und aus dem Laminatbereich bekannte HDF (= Hochdichte Faserplatte ) als Aufbauschicht. Darüber wird dann die Deckschicht aus dem eigentlichen Parkettholz verleimt. HDF hat leider die Eigenschaft, beim Kontakt mit Feuchtigkeit/Nässe stark aufzuquellen.
Kommt ein Laminatboden oder ein so gefertigtes Fertigparkett in Kontakt mit größeren Feuchtigkeitsansammlungen, verformt es sich und behält diese Form anschließend bei.
Da die Parkettversiegelungen auf dem europäischen Markt nur noch wasserbasiert produziert werden dürfen, entsteht somit ein Problem:
Selbst bei kurzen Trocknungszeiten von nur ca. 1 Stunde pro Versiegelungsauftrag, genügt die Menge an Feuchtigkeit in der Parkettversiegelung, um das Parkett zu verformen. 
Dabei tritt typischerweise die „Schüsselung“ der Kanten auf. D.h. die Kanten der Parkettstäbe biegen sich nach oben. Das so entstandene „Waschbrettmuster“ ist leider in den meisten Fällen nicht mehr reversibel und der Parkettboden muss entfernt, bzw. ersetzt werden.


Ist die Renovierung von Dielenböden sinnvoll?


Alte Dielenböden weisen meist dieselben Stärken (manchmal sogar noch mehr) wie massive Parkettböden auf. So sind in älteren Gebäuden aus dem frühen 20. Jahrhundert noch Gesamtstärken von bis zu 30mm anzutreffen. Solche Dielenböden lassen sich genau wie andere Holzböden mit einer Parkettschleifmaschine abschleifen.
Finanziell interessant wird es vor allem bei sog. Pitch-Pine Dielenböden. Dieses Nadelholz weist sehr robuste Eigenschaften auf und wurde früher über Jahrzehnte hinweg gezüchtet. Dadurch weisen Pitch-Pine Dielenböden ein sehr schönes, und oft als „feurig“ rot beschriebenes Muster auf.

Da Pitch-Pine heutzutage jedoch wesentlich schneller wachsen muss, erreicht es diesen typischen Farbton nicht mehr. Wer also einen solchen Dielenboden in seinem Haus hat, besitzt ein Schmuckstück von unschätzbarem Wert. Immer wieder finden Versteigerungen solcher Dielenböden im Internet statt, wobei Quadratmeterpreise von mehreren Hundert Euro zusammenkommen.
Einen Pitch-Pine Dielenboden zu renovieren lohnt sich daher in jeder Hinsicht.


Die Renovierung von Fichte-Dielen


Fichte, aber auch Tanne und andere Nadelhölzer weisen im Gegensatz zu Pitch-Pine eher schlechtere Eigenschaften als Nutzboden auf. Sie sind weich und daher sehr druckempfindlich. Oft wurden Fichtedielen daher nur als Unterbau für den eigentlichen Fußboden genutzt. Aus diesem Grund sind sie meist mit vielen Nägeln versehen und eher unschön anzusehen. 
Um sich einen Eindruck zu verschaffen, genügt es meist, die Fichteböden lediglich grob abzuschleifen. Die mit Schmutz zugesetzten Nagellöcher werden bereits beim Grobschliff sichtbar und man kann nun entscheiden, ob sich die Instandsetzung des Bodens noch lohnt oder nicht.