Baugrundgutachten und dessen Bedeutung

Ein Bauherr unterschrieb einen Bauvertrag mit einer Festpreisvereinbarung. Errichtet werden sollte ein Einfamilienhaus mit Bodenplatte, die Erdarbeiten waren im Festpreis enthalten. Vereinbart wurde diesbezüglich Folgendes:

Der vorhandene Mutterboden wird in einer Stärke bis 30 cm abgetragen und seitlich auf dem Baugrundstück gelagert. Kalkulationsgrundlage für das Abschieben des Mutterbodens ist die Bodenklasse 2 – 3 (DIN 18300). Die Fundamente werden nach statischen Erfordernissen erstellt, wobei für die Fundamentgründung  mindestens eine zulässige Bodenpressung von 200 KN/m² vorhanden sein muss. Sämtliche Mehrkosten werden nach Absprache mit dem Bauherrn gesondert verrechnet.

Der Bauherr staunte nicht schlecht, als ihm schon sehr bald nach Vertragsabschluss ein Schreiben ins Haus flatterte, in dem der Bauunternehmer Bedenken anmeldete. Er bezog sich auf die Mitteilungspflicht gemäß § 4 Nr. 3 VOB/B. Seine Bedenken richteten sich gegen die Ausführung der Erdarbeiten, weil nach seiner Meinung die Bodenklasse 5 (schwer lösbare Bodenarten) vorlag. In diesem Schreiben stand auch, dass in diesem Fall alle erforderlichen Mehrkosten zusätzlich zu vergüten sind.

Für den Bauherrn war dies problematisch, denn er hatte nicht sonderlich viele Rücklagen und die Finanzierung war knapp bemessen. Er zahlte schon für einen Nachtrag, obwohl nicht einmal der Bagger auf dem Grundstück stand. 

Deutlich wird auch hier: Ein Festpreis ist keine Sicherheit vor zusätzlichen Kosten. Er beinhaltet schließlich nur die Leistungen, die im Bauvertrag vereinbart wird.

Unsere Empfehlung

Wir raten jedem Bauinteressenten, ein unabhängiges Baugrundgutachten zu beauftragen. Dies sollte möglichst auch Bestandteil des Bauvertrages sein. Wenn die Erdarbeiten nebst der Gründung, nach den Empfehlungen des Gutachtens im Preis enthalten sind, ist der Passus der Erdarbeiten ziemlich sicher vereinbart. Ohne eine Baugrunduntersuchung sind die Positionen Erdarbeiten und Gründung kaum kalkulierbar.

Der Glaube, dass ein Festpreis dieses Risiko abfängt, ist ein Irrglaube, wie auch dieser Bauherr erfahren musste. 

Lesen Sie auch:
Über die Tragweite des Baugrundrisikos: www.hausbauberater.de/baugrundrisiko