Baufinanzierung mit fehlerhafter Widerrufsbelehrung widerrufen

Dass es bei zahlreichen Kreditverträgen im Bereich der Immobilienfinanzierung fehlerhafte Widerrufsbelehrung gab, wurde in den Medien bereits ausführlich dargelegt. Dennoch haben bisher nicht allzu viele betroffene Kreditnehmer von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, ihr bestehendes Immobiliendarlehen aufgrund dieser Tatsache vorzeitig zu kündigen. Dies ist umso erstaunlicher, als dass das Einsparpotenzial aufgrund der aktuell niedrigen Bauzinsen oftmals erheblich ist.


Zum Hintergrund: Mehrere Gerichte, unter anderem auch der Bundesgerichtshof, haben in der Vergangenheit festgestellt, dass zahlreiche Widerrufsbelehrungen aufgrund einer Änderung zu Kreditverträgen im Bereich der Immobilienfinanzierung in der Vergangenheit fehlerhaft waren. In dem Zusammenhang wurde so geurteilt, dass betroffene Kreditnehmer das Recht haben, die entsprechenden Verträge mit sofortiger Wirkung kündigen zu können. Wichtig ist, dass die sonst übliche Vorfälligkeitsentschädigung bei frühzeitiger Auflösung des Darlehens nicht zu zahlen ist. Somit haben sehr viele Kreditnehmer die Möglichkeit, mit sofortiger Wirkung aus ihren teuren Altverträgen herauszukommen und sich für einen neuen Baukredit zu entscheiden. Aufgrund der Niedrigzinslage wird dieser in vielen Fällen deutlich geringere Zinsen beinhalten, als bisher gezahlt wurden. Das so entstehende Einsparpotenzial sollte keineswegs unterschätzt werden, denn nicht selten beläuft sich dieses auf mehrere Zehntausend Euro.

Praxisbeispiel: hohe Ersparnisse möglich

Wer beispielsweise vor fünf Jahren einen Immobilienkredit über 200.000 Euro aufgenommen hatte, dessen Restschuld jetzt noch 180.000 Euro beträgt, sollte definitiv von der Möglichkeit Gebrauch machen, eine sofortige Kündigung vorzunehmen. Falls die Widerrufsbelehrung fehlerhaft war, ist dies problemlos möglich. Angenommen, der bisher zu zahlende Bauzins lag bei diesem Darlehen bei vier Prozent. Sollte jetzt ein neuer Baukredit aufgenommen werden, würde der Zinssatz beispielsweise nur noch bei 1,5 Prozent liegen. Somit gäbe es eine Zinsersparnis von 2,5 Prozent pro Jahr, gerechnet auf die Restschuld von 180.000 Euro. Somit könnten über 4.500 Euro im Jahr an Zinsen gespart werden. Falls der bisherige Baukredit beispielsweise noch fünf Jahre gelaufen wäre, so würde es sich insgesamt um eine Ersparnis von über 20.000 Euro handeln. Ferner kann sogar ein entstandener Zinsschaden geltend gemacht werden. Denn immerhin hat der betroffene Kreditnehmer einige Jahre - mit der aktuellen Situation verglichen - zu hohe Zinsen bezahlt. Somit beläuft sich die mögliche Ersparnis in diesem Beispiel sogar auf über 30.000 Euro.