Keimschleuder Waschmaschine

RyanMcGuire - pixabay.com
Wer wäscht heute noch bei 90 Grad, es reichen doch 60 oder noch weniger! 

ODER?

Während 1972 noch durchschnittlich 42 Prozent der Menschen ihre Wäsche bei 90 Grad reinigten, waren es im Jahr 2010 nur noch sechs Prozent. Klar, das schont die Umwelt und meist auch die Wäsche, aber auch die Keime, die es sich in der Trommel so richtig gemütlich machen.

Im 30 Grad Waschgang sterben die Keime nicht ab und bleiben im lauwarmen Wasser in der Trommel zurück. Beim nächsten Waschgang setzen sie sich in der Kleidung ab und können im schlimmsten Fall die Ursache für Hautprobleme, Durchfall, Übelkeit Lungenentzündung oder Blutvergiftung sein. Für Menschen mit intaktem Immunsystem sind Bakterien und Viren auf Handtüchern, Sportkleidung oder dem Putzlappen kein Problem. Die Abwehr wird durch den Kontakt mit den Mikroben gestärkt. Anders hingegen sieht es bei den Menschen aus, die wegen einer Erkältung, Grippe und Co. ohnehin schon geschwächt sind. Die Belastung kann für sie gesundheitsgefährdend werden.

Glücklicherweise kann man dem Keimaufkommen auch mit niedrigen Temperaturen entgegenwirken. Das Mittel, das dieses Wunder bewirkt, heißt Vollwaschmittel! Die in der Pulverform enthaltenen Tenside machen die Außenhaut der Keime durchlässig, sodass Bleichmittel eindringen kann und die Bakterien abtötet.
Ausgeklügelte Flüssigwaschmittel versprechen zwar auch hygienische Sauberkeit - und das schon ab 20 Grad. Aber das Bundesinstitut hat bereits schon eine Warnung herausgegeben, das milde, bleichmittelfreie Waschmittel die Keimbelastung kaum reduzieren.
Color- und Flüssigwaschmittel beispielsweise enthalten nämlich gar keine Bleiche. Deshalb können sich die Keime ungehindert durch den Waschgang laufend vermehren. Auch wenn den Verbrauchern versprochen wird, dass durch Zugabe von Weichspüler alles supersauber wird, sollte man dennoch vorsichtig sein. Die flüssigen Helfer  lassen einen Teil der Keime absterben, der andere Teil aber wird resistent dagegen. Außerdem enthalten sie Substanzen, die die Haut angreifen können und Allergien auslösen. Eine gute Lösung sind Hygienespüler daher leider nur in den seltenen Fällen.

Bei Grippe heiß waschen
Bei Grippe, Magen-Darm-Virus oder Fußpilz ist es ratsam, die Kleidung des Erkrankten separat mit Vollwaschmittel und mindestens 60 Grad zu reinigen. 95-Grad-Wäsche wird erst bei wirklich harten Bakterien und Viren nötig. Dazu gehören E.-Coli- und Noroviren. Bei solchen Extremfällen sind Hygienespüler ausnahmsweise brauchbar. Sinnvoll ist es auch, die Wäsche unter freiem Himmel trocknen zu lassen - UV-Strahlen lassen die Keime absterben. Ist die Wäsche normal verschmutzt, reicht ein Waschgang bei 30 Grad.

Ein guter Kompromiss: 
Textilien auch einmal im Monat bei 60 oder 90 Grad säubern, das schont den Energieverbrauch und tötet Erreger ab.

Übrigens: 
Wenn es aus der Waschmaschine mal komisch riechen sollte, lassen Sie mal ein Kurzprogramm mit 90 Grad ohne Wäsche durchlaufen. Dadurch werden Pilzsporen und andere Keime getötet und der Geruch gehört der Vergangenheit an.