Ersteigerung von Immobilien

Wenn ein Hausbesitzer seinen Kredit nicht mehr zurückzahlen kann, lässt die Bank die Immobilie meist zwangsversteigern – oft für Gebote weit unterhalb des eigentlichen Wertes. 

Doch für Schnäppchenjäger lauern in diesem Verfahren viele Fallen.

Zustand des Gebäudes: 
Der bisherige Besitzer muss Interessenten nicht ins Haus lassen. Deshalb ist es sehr schwierig, den Zustand einer Immobilie zu bewerten. Hilfreich ist hier das Verkehrswertgutachten des Amtsgerichts, das die Versteigerung durchführt. Beim zuständigen Rechtspfleger können Sie es einsehen. Er gibt Ihnen auch Einblick in den Grundbuchauszug mit den Schulden und Baulasten, die auf der Immobilie liegen. Zusätzliche Informationen zum Zustand und Wert des Gebäudes kann Ihnen auch der Gläubiger geben, auf dessen Initiative die Zwangsvollstreckung zurückgeht. Der Verband Privater Bauherren empfiehlt zudem, selbst einen Gutachter einzuschalten.


Schulden:
Für die Bietenden bei einer Versteigerung sind vor allem die sogenannten bestehenden bleibenden Rechte von Bedeutung. Dabei handelt es sich um Schulden, die der Käufer übernehmen muss. Die Situation entsteht immer dann, wenn die Versteigerung nicht vom Hauptgläubiger betrieben wird. Dessen Rechte bleiben also bestehen. Häufig ist das der Fall auch bei Teilungsversteigerungen von Erbengemeinschaften. Wie hoch die zu übernehmenden Schulden sind, wird vor Abgabe der Gebote bekannt gegeben.

Gebühren: 
Auf den Preis, den Sie bieten,. werden noch die Kosten für das Verfahren aufgeschlagen. Das sind meist 5 000 bis 8 000 Euro. Außerdem müssen Sie als Käufer eventuell ausstehende Grundsteuern bezahlen. Weitere Kosten entstehen für die Eintragung ins Grundbuch, durch die Grunderwerbssteuer und die Versicherungen für die Immobilie, die sie sofort nach dem Zuschlag übernehmen müssen.

Sicherheit: 
Wer bei der Versteigerung mitbieten möchte, muss vorher eine Sicherheit in Höge von zehn Prozent des Verkehrswertes hinterlegen. Möglich ist das durch einen Bundesbankscheck, eine Bankbürgschaft, einen Verrechnungsscheck oder durch Überweisung an die Gerichtskasse. Wenn Sie den Zuschlag nicht erhalten, bekommen Sie die Sicherheit sofort zurück.

Zinsen:
Haben Sie als Meistbietender den Zuschlag erhalten, sollten Sie den Kaufpreis möglichst schnell überweisen. Denn für die Zeit zwischen Zuschlag und Geldeingang werden Zinsen fällig. Klären Sie die Finanzierung also rechtzeitig.

INFO - Was bedeutet der Verkehrswert? 
Das Gericht legt vor der Versteigerung den Verkehrswert fest. Er soll den tatsächlichen Preis abbilden, den die Immobile auf dem freien Markt erzielen konnte.
In den Verkehrswert fließen Merkmale wie Lage, Zustand und Ausstattung des Gebäudes ein. (siehe auch www.abir.eu/immobilienrecht/immobilienbewertung.html)

Beim ersten Versteigerungstermin werden nur Gebote anerkannt, die über der Hälfte des Verkehrswertes liegen. Liegt das Höchstgebot unter 70 Prozent des Verkehrswertes, muss es der Gläubiger nicht akzeptieren. 
Bei einem zweiten Versteigerungstermin sind diese Grenzen aufgehoben.